Cloudflares Gründerbrief 2026

Matthew Prince und Michelle Zatlyn

Lesezeit: 6 Min.

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Diese Woche feiert Cloudflare seinen 16. Geburtstag. Wie viele 16-Jährige blicken auch wir auf die Welt, in der wir aufgewachsen sind, und fühlen uns zwischen Vergangenheit und Zukunft hin- und hergerissen. Die vielen Veränderungen um uns herum bereiten uns manchmal Sorgen. Insgesamt sind wir aber sehr zuversichtlich, wenn wir an die Zukunft denken. Beides hat denselben Grund: Veränderung bringt immer auch Umbrüche mit sich.

Seit dem Start von Cloudflare am 27. September 2010 hat sich das Internet zu keinem Zeitpunkt so stark verändert wie heute. Manche dieser Veränderungen sind zweifellos positiv. Andere stellen unsere bisherigen Vorstellungen davon, wie das Internet funktioniert, auf den Kopf.

Besonders deutlich zeigt sich der Wandel beim Wachstum des Webs. Von 2012 bis 2025 stagnierte das Web; je nach Messmethode schrumpfte es sogar. Mitte 2025 änderte sich das: Die Zahl neuer Websites stieg sprunghaft an. Oft heißt es, dieses Wachstum gehe vor allem auf KI-generierten „Schrott“ zurück. Den gibt es durchaus. Nach unseren Beobachtungen macht er jedoch nicht den Großteil aus.

Stattdessen eröffnet KI einer neuen Generation von Kreativen Möglichkeiten. Menschen mit Ideen, denen bisher die Programmierkenntnisse fehlten, können mithilfe sogenannter Vibe-Coding-Tools eigene Anwendungen entwickeln. Wir freuen uns, dass die meisten dieser Tools Cloudflares Entwicklerplattform bevorzugt nutzen, um solche Anwendungen bereitzustellen. Technologie zeigt sich von ihrer besten Seite, wenn sie mehr Menschen ermöglicht, ihre Ideen umzusetzen. Wir erleben aus nächster Nähe, wie Studierende weltweit Apps entwickeln, die konkrete Probleme lösen, und wie Startups neue Geschäftsideen in Rekordzeit verwirklichen. Heute gestalten mehr als sieben Millionen Entwicklerinnen und Entwickler auf Cloudflares Plattform die Zukunft.

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Im vergangenen Jahr hat sich auch verändert, wer – und zunehmend was – das Internet nutzt. Ursprünglich hatten wir erwartet, dass automatisierter Datenverkehr den von Menschen verursachten Datenverkehr erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 überholen würde. Durch den Aufstieg von KI-Agenten und KI-Crawlern war es schon im Mai 2026 so weit. Wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen – und diese Annahme erscheint eher vorsichtig –, könnte der automatisierte Datenverkehr in nur fünf Jahren tausendmal so groß sein wie der von Menschen verursachte. Das liegt nicht daran, dass wir mit weniger menschlichem Datenverkehr rechnen. Vielmehr wächst der Datenverkehr durch KI-Agenten rasant.

Für ihre Nutzerinnen und Nutzer leisten KI-Agenten schon heute Erstaunliches. Bitten Sie einen KI-Agenten, für Sie einen Flug, einen Handwerker oder einen günstigeren Handytarif zu finden: Er liest in einer Minute mehr Seiten, als Sie an einem ganzen Nachmittag schaffen würden, und liefert Ihnen anschließend eine Antwort. Er erledigt die Recherche, damit Sie das nicht selbst tun müssen.

Doch die Recherche eines KI-Agenten verursacht Aufwand. Wenn Sie ihn nach einem Restaurant für die Mittagspause fragen, prüft er vielleicht die Speisekarten von 1.000 Lokalen in Ihrer Nähe und empfiehlt am Ende nur eines. Dieses Restaurant gewinnt Sie als Gast. Auch die anderen 999 mussten die Anfragen des Agenten verarbeiten, bekommen dafür aber nichts. Das ist ein Allmendeproblem: Die Menschen, die den Agenten nutzen, profitieren von seiner Suche, während die Kosten auch bei den Lokalen entstehen, die leer ausgehen. Weil die Nutzerinnen und Nutzer diese Kosten nicht selbst tragen, haben sie wenig Anlass, die Zahl solcher Anfragen zu begrenzen.

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KI macht es Studierenden und Startups so leicht wie nie, neue Angebote zu entwickeln. KI-Agenten könnten es jedoch allen schwerer machen, diese Angebote überhaupt zu entdecken. Heute gewinnen kleine Unternehmen Kundschaft oft durch persönliche Bindung oder weil sie bequem erreichbar sind. Sie gehen vielleicht immer wieder in dasselbe Lokal, weil man Sie dort beim Namen kennt oder weil der Ort einfach zu Ihrem Leben gehört. Oder Sie kaufen im Laden um die Ecke ein, obwohl Auswahl und Preise anderswo besser sind – weil er auf Ihrem Heimweg liegt.

Einem KI-Agenten ist es gleichgültig, ob man Sie in einem Lokal beim Namen kennt oder ob ein Geschäft auf Ihrem Heimweg liegt. Er bevorzugt Anbieter, über die er besonders viele Informationen findet. Das sind meist Unternehmen, die schon lange am Markt sind. Je mehr Kaufentscheidungen KI-Agenten übernehmen, desto schwerer könnte es deshalb für neue Anbieter werden, Fuß zu fassen. Langfristig könnten sich so immer weniger Unternehmen den Markt teilen – und die Vielfalt würde leiden.

Wir waren selbst einmal neu auf dem Markt. Vor 16 Jahren stellten wir Cloudflare auf der Bühne der TechCrunch Disrupt vor, während unsere Ingenieurinnen und Ingenieure im Publikum noch Fehler behoben. Als wir die Bühne betraten, waren acht Fehler offen. Als wir von der Bühne gingen, waren alle behoben – und Cloudflare lief bereits in fünf Rechenzentren auf drei Kontinenten. Ein KI-Agent hätte uns damals wohl nicht empfohlen. Menschen haben uns trotzdem eine Chance gegeben. Diese Chance sollen auch die nächsten neuen Unternehmen bekommen.

Dafür setzen wir uns ein: für eine Zukunft mit 500.000 KI-Unternehmen auf der ganzen Welt statt nur fünf. Für eine Zukunft, in der Menschen mit ihren Inhalten ein weltweites Publikum erreichen und für ihre Arbeit bezahlt werden können. Und für eine Zukunft, in der sich neue Anbieter mit besseren Produkten durchsetzen können, statt dass einige wenige Großkonzerne von vornherein die besten Chancen haben.

Letztes Jahr haben wir darüber geschrieben, wie KI das Geschäft von Verlagen verändert. Jetzt bekommen auch Restaurants und kleine Lokale diesen Wandel zu spüren. Wodurch das bisherige Geschäftsmodell des Internets ersetzt wird, ist eine der spannendsten Fragen der nächsten fünf Jahre. Diese Woche versuchen wir erneut, eine Antwort darauf zu geben.

Wie an jedem Geburtstag feiern wir, indem wir Geschenke machen, statt welche zu bekommen. Einige davon sind für die 999 Restaurants gedacht, die bei der Empfehlung durch den KI-Agenten leer ausgehen. KI-Agenten durchsuchen das Web ähnlich wie Suchmaschinen: Sie rufen Seiten immer wieder ab, unabhängig davon, ob sich dort etwas geändert hat. Unsere Daten zeigen, dass mehr als die Hälfte der Inhalte, die seriöse Bots abrufen, seit dem letzten Besuch unverändert ist. Wir arbeiten daran, dass Crawler mehr vom Web erfassen können, dabei aber nur neue oder geänderte Inhalte abrufen. Das entlastet die Websites. Außerdem schaffen wir für alle, die Inhalte oder Anwendungen online stellen, eine Möglichkeit, bezahlt zu werden, wenn KI-Agenten diese Inhalte oder Anwendungen nutzen.

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Die Mission von Cloudflare ist es nicht, allein ein besseres Internet zu schaffen, sondern dabei mitzuhelfen. Das können wir nur gemeinsam mit anderen. Deshalb werden wir diese Woche auch Partnerschaften mit Unternehmen und Organisationen ankündigen, die unsere Vorstellung von der Zukunft teilen.

Wie andere 16-Jährige haben auch wir im neuen KI-Zeitalter klare Vorstellungen davon, wie die Zukunft aussehen soll. Und wir können sie in die Tat umsetzen. Wir setzen uns für ein Internet ein, in dem auch künftig Platz ist: für einen Teenager, der seine erste App veröffentlicht, für das kleine Lokal, in dem man Sie beim Namen kennt, und für Menschen, die gerade das nächste Cloudflare aufbauen.

Wir freuen uns mehr denn je auf das, was vor uns liegt.

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